Cholin - bringt das Gehirn in Schwung

Wer ein schlechtes Gedächtnis und auch einen zu hohen Cholesterinspiegel hat, sollte sich für dieses B-Vitamin interessieren. Es ist vorwiegend in Eigelb, Leber, Bierhefe und Weizenkeimen enthalten. Unsere Leber stellt es aber auch selbst aus den Aminosäuren (Eiweiss­bausteinen) Methionin und Serin her, die wiederum hauptsächlich in Fleisch, Eiern, Tofu und Käse enthalten sind.



Gute Ideen durch genug Cholin

Cholin hat in Gehirn- und Nervenzellen noch eine weitere wichtige Funktion. Aus Cholin wird vom Hirnstoffwechsel der Neurotransmitter (Nervenübertragungsstoff) Azetylcholin hergestellt, in sogenannten cholinergen Fasern. Bei Bedarf, z. B. bei einer konzentrierten Tätigkeit, wird das gespeicherte Cholin in Azetylcholin umgewandelt, das Ideen ankurbelt. Die Wirkung ist aber oft nur kurz, wenn es am Rohstoff Cholin fehlt. Dies ist typisch für alle Menschen, die sich nur kurzfristig konzentrieren können.



Antrieb für das Cholesterin

Die Leber exportiert Fett vorwiegend in Form bestimmter Lipoproteine vom Typ VLDL (Very Low Density Lipoprotein, zu Deutsch: Fettprotein mit sehr geringer Dichte, also mit hohem Fettanteil). Dazu müssen diese Fettstoffe in einen Eiweissmantel eingeschlossen sein, denn Fett ist in wässrigem Blut nicht transportfähig, es würde sich an den Gefässwänden ablagern. Cholin ist wichtigster Bestandteil dieser Eiweisshülle. Ohne dieses B-Vitamin häufen sich extreme Mengen von Fettmolekülen in der Leber, bis die Hepatozyten (Leberzellen) schliesslich fast nur noch aus Fett bestehen – die gefürchtete Fettleber ist da.


Für Nerven und Gehirn

Das Faszinierende an Cholin ist seine positive Wirkung auf die Gehirn- und Nervenzellen. Im Gehirn ist es vorwiegend im zerebralen Kortex, der Grosshirnrinde, zu Hause, wo es Milliarden Zellen und deren Fortsätze am Leben erhält. Bei einem Mangel an Cholin sterben die so genannten cholinergen Neurone in Massen ab, und es bilden sich Plaques, Ablagerungen von Cholesterin- und Eiweissmüll.

Dieser durch Cholinmangel verursachte geistige Zerfall setzt aufgrund falscher Kost bei vielen Menschen schon ab dem 40. Lebensjahr oder sogar früher ein. Er macht sich vor allem durch Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche bemerkbar. Im Nervensystem fühlen sich die Cholinmoleküle im Parasympathikus am wohlsten, dem Teil des vegetativen Nervensystems, der beruhigt und entspannt, die Herz- und Schilddrüsentätigkeit verlangsamt, die Magen- und Darmtätigkeit aber anregt. Cholin ist deshalb eines der besten natürlichen Beruhigungsmittel.

Unsere Zellen sind dringend auf Cholesterin angewiesen. Die Fettsubstanz ist Teil der schützenden Zellmembran, bei Nervenzellen macht sie 50 Prozent der empfindlichen so genannten Myelinschicht, der Nervenhülle, aus. Die Schutzschicht der Gehirn- und Nervenzellen ist öligfeucht. Cholin und andere Substanzen, wie z. B.Vitamin C, sorgen für ihre stets gleich bleibende Viskosität, den Flüssigkeitsgrad. Ohne Cholin wird Cholesterin ranzig, es verklebt und bildet zusammen mit totem Eiweissabfall Verkrustungen. Dadurch können Nährstoffe nicht mehr flüssig genug oder überhaupt nicht mehr ins Innere der Zelle transportiert werden: Die Zelle beginnt abzusterben.

Verhängnisvoll wirkt sich aus, dass die mikroskopisch winzigen Kanälchen verstopft werden, über die Gedanken, Empfindungen und andere Gehirnsignale übertragen werden. Man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, ist geistig müde, vergesslich, verzagt oder depressiv. Trotz ständiger Müdigkeit kann man nur schwer einschlafen. Im gleichen Mass, wie jetzt die Cholesterinwerte im Blut ansteigen, sterben Gehirn- und Nervenzellen ab.



Warnzeichen für Cholinmangel

  Vergesslichkeit       Kreislaufbeschwerden
  Gereiztheit       Kopfschmerzen
  Schlafstörungen       Ohrensausen
  Herzbeschwerden       Verstopfung


So gelangt Cholin zu den Körperzellen

Cholin wird im gesamten Darm, sogar im Dickdarm, aufgenommen und gelangt dann selbstständig oder mit Hilfe von Trägerstoffen (z. B. Lezithin) ins Blut und zur Leber. Aus Eiweissbausteinen, die in pflanzlicher Kost nur geringfügig vorkommen, wird es auch vom Stoffwechsel selbst hergestellt. In der Leber wird Cholin in Fetteiweissstoffe eingebaut und über das verästelte Netz der Blutgefässe zu allen Zellen gebracht. Durch die poröse Wand der dünnen Blutkapillaren erreicht Cholin in seinem Trägerprotein die Schutzschicht der Zelle.

 
Ihr täglicher Bedarf an Cholin
 
Das B-Vitamin wird im Darm unter Beteiligung der Eiweissstoffe Methionin, Serin sowie der Vitamine B12 und Folsäure hergestellt
  Methionin und Serin sind reich in Fleisch, Fisch, Geflügel, Eiern und Käse enthalten; Vitamin B12 in Leber, Muskelfleisch, Fisch und Milchprodukten; Folsäure in grünem Blattgemüse und Bierhefe
  Das fertige Vitamin Cholin findet sich in hoher Konzentration in Leber, Eigelb, Bierhefe und Weizenkeimen
  Ideal für eine Cholinkur ist Sojalezithin, in dem Cholin neben dem B-Vitamin Inositol Hauptbestandteil ist. Achtung: Lezithin darf nicht über längere Zeit in hohen Dosen eingenommen werden!
  Weil Cholin vorwiegend im eigenen Stoffwechsel synthetisiert wird, sind auf Lebensmittel bezogene Mengenangaben für dieses Vitamin schwierig. Man geht heute von einer benötigten Tagesmenge von etwa 0,5 Gramm aus
 
Wofür Cholin wichtig ist
 
  Fettverwertung
  Leberfunktion
  Gallenblasenfunktion
  Cholesterinspiegel
  Konzentrationsfähigkeit
  Geistige Frische
  Herztätigkeit
  Entspannung, Beruhigung
  Vorbeugung gegen frühzeitiges Altern